Ansprechpartnerin
Frau
Berit Herger
DRK Beratungsstelle
LebensWohnraum für
Rheinland-Pfalz
info[at]drk-lebenswohnraum[dot]de
www.drk-lebenswohnraum.de
Tel: 06131 - 26 93 3
Fax: 06131 - 26 98 1
DRK Kreisverband
Mainz-Bingen e.V.
Mitternachtsgasse 6
5516 Mainz
Wozu Wohnprojekte?
Wohnprojekte brauchen
... Mut, das Ungewöhnliche zu denken,
... Vertrauen in die eigene Kraft,
... Partner in der Kommune und der regionalen Wohnungswirtschaft
Wozu Wohnprojekte? oder Wem nützen Wohnprojekte?
Immer mehr Menschen wünschen sich intensivere Kontakte in der Nachbarschaft. Die Vorstellung reicht dabei von der Kommunikation an der Haustür bis zu echter Unterstützung im Alltag. Dabei haben die einen die Kinder im Blick, die anderen denken an die Beschwernisse des Single-Daseins, wieder andere ans Älterwerden, oder das Leben mit einer Behinderung. Aber alle sind sich einig darüber, dass sie voneinander lernen können und dass es Freude bereitet, Verantwortung zu übernehmen. Wenn darüber hinaus Netzwerke geschaffen werden, die den Charakter einer Organisation annehmen, dann ist es das, was man unter Wohnprojekten versteht. Sie gestalten nicht nur ihre Wohnung, sondern auch das miteinander Wohnen. Das reicht von der Alltagshilfe bis zu gemeinsamer Haustechnik, Car-Sharing-Systemen, sozialer Arbeit oder kulturellem Engagement.
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Sie achten dabei auf Größe, Qualität, Lage und Ausstattung. Sie beurteilen den Ruf des Umfeldes, Infrastruktur und Verkehrsanbindung. Danach stufen Sie ein, ob die Wohnung ihren Preis wert ist. Was die Nachbarschaft angeht, hofft man einfach das Beste. Es könnte aber auch anders laufen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten schon vor dem Einzug beurteilen, ob Sie sich dort wohlfühlen werden, Sie könnten ein Bewohnertreffen besuchen oder sogar Probewohnen. Später könnten Sie mit entscheiden und gestalten. Man grüßt sich und bleibt gelegentlich auf ein Gespräch etwas länger stehen.
Versorgung in einer demografisch veränderten Gesellschaft
Die klassischen, meist trägergeführten Hilfeangebote sind wichtige Bausteine im sozialen Gemeinwesen. Aber sie werden nicht mehr allen Bedürfnissen gerecht. Dort, wo Menschen bereit sind, eigenes Engagement in die Gründung von Nachbarschaftsgemeinschaften zu investieren, braucht es neue Gestaltungsspielräume.
Eine demografisch veränderte Gesellschaft erfordert neue Strukturen. Der Trend zu mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und der Trend zu einer älter werdenden Gesellschaft setzen gegensätzliche Impulse. Wohnprojekte leisten Versorgungsanteile aus sich heraus und entlasten die Familie.
- Wohnprojekte sind kommunikativ
- Wohnprojekte sind unterstützend
- Wohnprojekte entwickeln sich
- Wohnprojekte mischen sich ein
Wohnzufriedenheit durch Beteiligung
In Wohnprojekten haben sich Menschen zusammengeschlossen, die die Gemeinschaft mit all ihren Regeln selbst gestaltet haben. Die Partizipation an Entscheidungen, die den gemeinsamen Wohn- und Lebensraum betreffen, trägt dabei wesentlich zur Wohnzufriedenheit bei. Insbesondere die Mitwirkung bei der Auswahl neuer Bewohner, Eigentümer oder Nachbarn ist entscheidend für die Stabilität.
Als besonders tragfähig haben sich dabei Mehrgenerationenprojekte erwiesen. Hier ist für viele Lebenslagen Raum. Sie schaffen Synergieeffekte nach innen und außen, sie erleichtern die Alltagsorganisation und schaffen Lebensqualität. Diese Unterstützungsnetzwerke helfen, Alltagssituationen zu bewältigen und lösen Probleme, bevor sie entstehen.
Aus diesem Grund setzt die Beratung bei den Menschen an anstatt beim Wohnraum. Wenn man die Gemeinschaft zunächst in den Mittelpunkt stellt, bilden sich Interessenslagen heraus, die stabile Beziehungen begründen.
Das Abenteuer Wohnen - der Weg ist das Ziel
Am Anfang stehen die Idee, mehr Lebenqualität durch nachbarschaftliche Kontakte zu schaffen, die Suche nach Gleichgesinnten sowie dem gemeinsamen Ziel. In einer Initiativgruppe entsteht die Energie, die den Stein ins Rollen bringt.
Auf dem Weg in ein Wohnprojekt durchlaufen die Mitwirkenden komplexe Lernprozesse - von der Gruppendynamik bis zur Bauplanung. Sie werden meist von Projektplaner und Fachleuten begleitet. Am Ende sind sie selbst ErfahrungsexpertInnen und gerüstet für das Abenteuer "Gemeinsam Wohnen".
Mut zur Nähe - oder - Durch Reibung entsteht Wärme
Wo Menschen sind, gibt es unterschiedliche Meinungen, insbesondere wenn ein solch umfassendes, alle Lebensbereiche tangierendes Projekt geplant wird. Aber durch Reibung entsteht auch Wärme. "Ich bin jünger geworden", lautet zuweilen das Fazit aus einer mehrjährigen gemeinsamen Projektplanung. Das sollte Mut machen, sich einzulassen und etwas auszuprobieren. Es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen mit unterschiedlicher Zielsetzung. Was im Leben wichtig ist, gilt es immer wieder neu zu bestimmen. Die Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden, sei dabei eine ständige Lernaufgabe, sagen Projekterfahrene über Ihre Wohnphase.
Wohnprojekte entwickeln sich
Ein Wohnprojekt ist nie fertig, weil sich die Lebensgeschichten fortschreiben. Deshalb ist eine stabile Kommunikationsstruktur wichtig, damit die Ziele der Gemeinschaft lebendig bleiben.
Wesentliches Element dabei ist eine "Mitte", die das Zentrum des Wohnprojektes bildet. Das Vorhandensein entsprechender Kommunikations- oder Gemeinschaftsflächen ist entscheidend für die innere Entwicklung eines Projektes.
Wohnprojekte nützen der Gemeinde
Das Ergebnis ist oft ein komplexes Sozialsystem, das sich behutsam in das Wohnumfeld vernetzt. Bei Neubauvorhaben entstehen moderne Wohnräume mit Barrierefreiheit und Energieeffizienz.
Im ländlichen Raum beschäftigen sich Wohnprojekte mit Regionalentwicklung, schaffen Versorgungssysteme und Nachbarschaftsbörsen. Anregungen aus der Dorfentwicklung können in Wohnprojekten münden oder weiterentwickelt werden.
Aber Wohnprojekte brauchen auch die Gemeinde, wenn sie auf der Suche nach geeigneten Grundstücken oder Investitionspartnern sind.
Wohnprojekte kosten Geld
Wohnprojekte sind die seltene Begegnung zwischen Sozialkonzept und Baukonzept. Wo Projekte im Neubau oder Umbau entstehen, durchlaufen die Mitwirkenden eine komplexe Baugruppenphase, in der sie enormes Wissen aufbauen und von Fachleuten begleitet werden müssen. Die Entwicklung neuer Rechts- und Finanzierungsformen steht in engem Zusammenhang.
Wenn weder Wohneigentum finanzierbar ist, noch ein Investor Mietwohnraum bereit stellt, geht der Trend zum Gemeinschaftseigentum. Im urbanen Raum haben selbst gegründete Genossenschaften viel Erfolg. Auf dem Land ist die Bürgerstiftung im Kommen, die dörfliche Solidarität bindet und daraus Kapital generiert. In beiden Unternehmensformen entsteht Kapital aus Vertrauen, das den Mehrwert einer hohen persönlichen Identifikation hat. Aus privaten Einlagen generieren sich hier neue finanzielle Möglichkeiten, die soziale Vorsorge für eine Zukunft im Generationenwandel treffen.

